Was uns antreibt - die Perlen der Lebensfreude
Was uns antreibt - die Perlen der Lebensfreude

Zum Anlass des 90. Zugjubiläums 2010/11 kam die "Lebensfreude" nicht umhin, sich und die Welt zu kommentieren. Hier das Ergebnis:

 

Ode an die Lebensfreude

   

Freude, liebe Schützenbrüder!

nach: Friedrich Schiller, Ode an die Freude

Freude, Herr Cremerium!

Wir betreten voll im Saft nun

das zehnte schon Dezennium.

   

Lassen wir Revue passieren

was bei Halboth einst begann.

In kunstvoll Versen ondulieren,

die der Dichter uns ersann:

   

Uns ist in alten Maeren Wunders viel gesagt.

nach: Anonymus, Das Nibelungenlied

Von Lebensfreude Ehren und Schützen unverzagt.

Denn nach dem ersten Kriege, 20 war das Jahr,

Max Halboths Zecherstube die Lebensfreud´ gebar.

   

Der 1. Weltkrieg ist vorüber, das deutsche Volk atmet auf Lebensmittelknappheit und die sich ausweitende Inflation werden irgendwie gemeistert. Gleichzeitig aber entstehen wieder neue Vereine, Turnvereine, Studentenverbindungen und auch Schützenvereine, neue Schützenzüge.

 

Viele Menschen versuchen, das Negative der Vergangenheit zu vergessen, zu überspielen durch Geselligkeit und Frohsinn. Das Feiern steht nach dem Weltkrieg in Grevenbroich wieder voll im Vordergrund! Sehr spitz wird das berichtet in der Chronik der Familie Oberbach.

Hier heißt es, dass Grevenbroich seine Kirmes und damit das Schützenfest feierte aus reiner ungehemmter Vergnügungssucht verbunden mit einer Geldvergeudung.

 

Und in dieser Zeit der neuen völkischen Bewegung ist es auch zur Gründung unserer „Gesellschaft Lebensfreude“ gekommen, deren 90jähriges Jubiläum wir heute feiern.

 

Es war der Wirt und Hotelbesitzer Max Halboth, sein Lokal lag in der Kölner Straße wo heute die Commerzbank residiert, der in der Silvesternacht 1920 / 1921 die „Gesellschaft Lebensfreude“ ins Leben rief. Eigentlich war das ein geschicktes Manöver eines Kneipenwirtes, der sich damit regelmäßigen Besuch seines Lokals sicherte; denn es wurde sogleich festgelegt, dass die Gesellschaft ständig in seinem Lokal verkehren solle. Es ist anzunehmen, dass diese Neugründung in einer geselligen Runde erfolgte.

 

Es folgen nun Jahre des Aufbaus. Die Farben grün-weiß werden für die Gesellschaft festgelegt.

Grün-weiße Schärpen werden angeschafft, sogar eine Offiziersschärpe. Die Anschaffung und das Tragen eines Bierzipfels wird Pflicht. Es wird sogar beschlossen, für den Führer der Gesellschaft ein Gehänge zu beschaffen. Natürlich wurde im Cut marschiert!

   

Silvesternacht rückt näher noch

nach: Heinrich Heine: Belsazar

in stummer Ruh´ liegt Grevenbroich

   

Doch drüben, nicht weit weg vom Schloss,

bei Halboth´s lärmt der Schützentross.

   

Es feiert in Max Halboths Saal

die Lebensfreude Gründungsmahl.

   

Und in den ersten Jahren nun

wurd´ festgelegt, was wir so tun.

   

Es wurd´ gekegelt und gesingt

geschauspielert und auch getrinkt.

   

Auserkor´n wurden die Farben,

die wir ja bis heute haben:

   

(in studentischer Weise zu singen)

Melodie: Wenn wir durch die Straßen ziehen, Allgemeines deutsches Kommersbuch

Schwarz-weiß-grün sind Lebensfreude-Farben

Seit bei Halboth es begann.

Darin wir beim Schützenfeste traben.

Chapeau hoch und Fahn´ voran!

Schwarz der Anzug, wie Braunkohle,

Weiß die Kraftwerkswolke zieht

Grün ergänzet die Band´role

Grün, wie Gartenschau im Riet,

Grün, wie Gartenschau im Riet.

   

Das Protokoll der „Gesellschaft Lebensfreude“, das als Leihgabe unserer Gesellschaft im Archiv des BSV aufbewahrt wird, sagt so gut wie nichts über die politische Entwicklung mit Beginn des 3. Reiches 1933 aus. Es wird geklagt über mangelndes Erscheinen. 1934 wird berichtet, dass die Gesellschaft aus sozialpolitischen Gründen in den „Kegelklub Gesellschaft Lebensfreude“ umbenannt wird. Denn nach der Machtübernahme 1933 wurde bald begonnen, auch das deutsche Schützenwesen neu zu organisieren, es wurde der Deutsche Schützenverband ins Leben gerufen, der wiederum eine Untergliederung des Reichsbund für Leibesübungen war.

 

Interessant ist in diesem Zusammenhang der Gruß unter jedem Protokolleintrag seit 1926 „Sieg-Heil“. Ob der aus Rheidt stammende Propagandaminister im 3. Reich Joseph Göbbels diesen Gruß wohl bei uns gehört hat und dann für seine Reden übernommen hat? Wer weiß das schon!

 

Über die letzten Jahre bis zum Ende des 2. Weltkriegs liegen bei uns keine Berichte vor.

 

1951 erging mit Rundschreiben ein Aufruf an alle ehemaligen Mitglieder der Gesellschaft, wiederum regelmäßig an Treffen teilzunehmen. Die eigentliche Reaktivierung der Gesellschaft Lebensfreude begann 1972 mit gezielten, genialen Telefongesprächen des damaligen Bankdirektors Albert Braun. Dieser schaffte es, einen starken Zug zusammenzubringen. Von dem bis dahin suspendiertem Zug „Gesellschaft Lebensfreude“ wurden die 5 damals noch lebenden Mitglieder eingegliedert: Heinrich Wolter, Dr. Josef Massia, Alfons Clemens, Fritz Schloßmacher und Hans Winter. Die alte Fahne wurde selbstverständlich übernommen. Von den Reaktivierungs- und Wiederbegründungs-mitgliedern 1972/73 leben heute noch zwei: Alfred Wehner und Dr. Clemens Hintzen. Ich bitte um einen besonderen Applaus für diese, unsere treuen Mitglieder!

 

 

 

Bend ist der Grevenbroicher Wald,

nach: Heinrich Heine, Deutschland - ein Wintermächen

der Gartenschau verschrieben.

Braun war der Sumpf des Dritten Reichs,

in dem die Schützen stecken geblieben.

   

Da wurden wir denn ganz, ja mehr denn ganz verheeret

Andreas Gryphius: Tränen des Vaterlandes

Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun

das vom Blut fette Schwert, die donnernde Karthaun

hat aller Schweiß und Fleiß und Vorrat aufgezehret.

 

 

Doch Lebensfreude ging nicht unter

Und schaffte mit viel Motivation,

das Leben wurde wieder bunter,

die lang notwendige Reanimation.

   

Der Lebensfreude ist zu eigen

ein etablierter Jahresreigen:

   
 
   

Januar: Jahreshauptversammlung

Unser Jahr beginnt zumeist

nicht mit nachweihnatlich Fasten,

sondern, wie im Protokoll es heißt:

mit JHV bei Günther Quasten.

   

Da wird palavert, schwadroniert,

es leeren sich die Kästen,

gezankt, geweint und debattiert.

Die Brötchen sind am besten.

 

 

 

 

 

März: Pokalschießen

Wir haben ach Ökonomie, Architektur und Medizin

nach: Johann Wolfgang Goethe: Faust - Der Tragödie erster Teil

und leider Odontologie durchaus studiert mit heißem Bemüh´n

Heißen Doktor, ja Von Diest sogar,

und schießen trotzdem Jahr um Jahr

Platz vier, Platz drei und zwei (einmal)

im März beim BSV-Pokal.

   

September: Schützenfest

   

Fuffzehnhundert Mann und die Fahn´ vüren dran

(nach: "Schötzefest" von den Bläck Föös)

und dä Zoch dä fäng am Bahnhofplatz an.

In dä Kutsch´mit zwei Pääd

sitz Cremerius drin und säät:

„Zick, zack, ich hab´ dä schönste Frack!"

Schwarz-wieß-jröön lööv die Lebensfreude schön,

Schwarz-wieß-jröön lööv die Lebensfreude schön,

 

 

 

Februar/November

In den Vorbereitungszeiten

für die großen Kirchenfeste

ist die Lebensfreud´ beizeiten

im Trophotainment wohl die Beste.

   

Aschermittwoch und Martini

sind willkomm´ne Okkasionen

um bei Vortrag, Gans, Sardini

Geist und Gaumen zu belohnen.

   

Stammtisch

 

Unser Stammtisch unumwunden

Montags in Haus Portz betrieben,

wurde nicht von uns erfunden,

sondern lange schon beschrieben:

   

In den Carmina burana,

Im Bayernlande war es örtlich.

Und in lingua latina

ich zitiere nun fast wörtlich:

   

In taberna quando sumus

nach: Anonymus, Carmina burana

non curamus quid est humus

sed ad vinum properamus

cui semper insudamus.

Quid agatur in taberna

ubi nummus est picerna

hoc est opus ut queretur

si quid loquar audiatur

   

Bibit Günther, bibit Thomas,

bibit Alfred, usqu´ad komas

bibit Helmut, bibit Clemens,

bibit Geert usque ad demenz.

Bibit Dietrich, bibit Rainer,

bibit Tim so schnell wie keiner.

Bibit Günther, bibit Mirgo,

in bibendo non est virgo.

   

Nun, zum Ende muss ich kommen.

Der Dichter Verse sind genug.

Der Präsident ist ganz benommen.

Nun,   wir sind ein Schützenzug.

 

 

 

Denn wir wär´ n nicht Lebensfreude

wenn nicht unser Heimatlied

kommentiert zum Anlass heute

unser´ n eignen Stil erhielt:

 

 

 

Grevenbroich, Grevenbroich!

nach: Grevenbroicher Heimatlied, Musik: Zum Städele hinaus

Hurra, es gibt sie noch,

die Lebensfreude-Herrn,

im BSV der harte Kern.

Zieht dienstags dann vorbei

von Lebensfreude frei

das Schützenregiment

da zürnt der Präsident.

   

Grevenbroich, Grevenbroich!

Na klar, man sagt ja doch:

Nur Profs und auch Doktor´n

zum Zug sind auserkor´n.

Das ist so nicht korrekt,

weil´s Aspiranten schreckt.

Ein Titel muss nicht sein,

wir nehm´ auch Adel rein.

   

Grevenbroich, Grevenbroich!

Schmidtalbers lebe hoch!

Heinz Hinzen und Grahner

und auch/ Kruses Rainer!

Von Diest, von Diest,

Drove ist Rotarist.

Stock, Gutmann und Thorwest

geh´n auch zum Schützenfest

   

Geert Buss, Geert Buss,

war früher vielleicht fuss.

Theis, Klemp tun gut ausschaun,

da jubeln alle Frau´n.

Rohmann, Zottmann,

wie gut man schießen kann.

Auch Haese ballert flott,

das Geld kriegt Stefan Toth.

 

 

 


Fremmer, Fremmer

steht voll auf Horst Schlämmer.

Der   Quasten hat Gewicht

auch wenn er zu uns spricht.

Hintz´ C. und Hinzen H.

und Rien sind selten da.

Der Daners aber kann´s

genau wie Weyermanns.

   

Wer fehlt, wer fehlt?

Der Schriftführer sich quält.

Gigowski ist nicht neu,

der Lenze wirkt recht scheu.

Der Prümm, der Prümm,

ist nicht bei uns (nicht schlimm).

Doch Wehner chic und fein

Will Schützenkönig sein.

   

Mehr kann ich nicht berichten, was weiter noch geschah.

nach: Anonymus, Das Nibelungenlied

Die Lebensfreud´ ist 90, bald sind es Hundert Jahr´.

Wird es uns dann noch geben? Nachwuchs wird kapp schon.

Lasst uns all aktiv werden und zeugen einen Sohn!

   

In diesem Sinne 90x Lebensfreude, Lebensfreude …

 

Sieh da, sieh da, Cremerius

Nach: Schiller, Die Kraniche des Ibikus

Nun ist jetzt aber wirklich Schluss!

 
   

Klaus Schmidtalbers, Clemens Stock, 26.03.2011